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MOTORSPORT TOTAL
Als in Österreich geborener Motorrad-(Sport-)Fan benötigt man eine Leidensfähigkeit wie ein Guantanamo-Häftling. Wenn man dann noch neidvoll nach Spanien, Italien oder England guckt, dann werden die Qualen nur noch schlimmer. Ja, man wünscht sich fast, in einem dieser Länder geboren zu sein, um wenigstens ein bisschen am Busen des puren Motorsports zu saugen – oder wenigstens in einem Klima der Freude und der Ausgelassenheit. Ja, als Biker in Österreich braucht man ein dickes Fell und gute Magennerven (wie sich gleich noch herausstellen wird) und der Wunsch Italiener oder Spanier zu sein, wird bei jeden Besuch der „Bike“ in Linz nur noch größer. In unserem Land, in dem „Mutkurven“ in „Angstkurven“ umgetauft wurden, wo die mediale Präsenz von Motorrad-Sport irgendwo nach Tischtennis, Melonenkernspucken und Zwergenweitwurf rangiert und wo renommierte Motorradproduzenten sich ereifern, die konzeptionellen Nachteile eines Cabrios mit den Nachteilen eines Motorrades zu verbinden, stellt die „Bike“ nur mehr das Sahnehäubchen dar.
Aber, wie gesagt: Biker in Österreich haben ein dickes Fell. Und sie „scheuen“ erst vor Produktauswüchsen wie dem eben genannten Cabrio-Motorrad-Hybrid-Dingens. – Dabei könnte es so einfach sein: Man könnte ja die „Grundsätze“ des Marketings in den Fokus bringen („der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler“) oder vor einem Produktklimmzug die Markt- und Meinungsforschung bemühen. – Statt dessen redet man sich bei einem Misserfolg auf die „gesamtwirtschaftliche Krise“ aus (obwohl Studien eindeutig belegen, dass gerade in solchen Zeiten hochwertige und innovative, ja, auch teure Produkte besonders nachgefragt werden und ihre Zielgruppen finden). – Wenn man im Gegensatz dazu allerdings eine „Spezial-Zielgruppen-Auswahl“ vornimmt als ob man Kunden finden wollte, die Helikopter zum Kühetreiben verwenden, dann darf man sich nicht wundern ...
Vielfach scheint es so, als ob Produzenten und Importeure ihr Marketing und ihre Werbung so betreiben, als ob sie sich selbst und ihre Produkte hassen. Dabei wäre es mit Augenmaß und professioneller Begleitung (z.B. bei der Auswahl der richtigen Berater, Kommunikationskanäle, Medien und Zielgruppenansprachen) viel leichter, kritische Zeitfenster (Stichwort: Wirtschaftskrise) zu überbrücken. – Um sogar gestärkt daraus hervor zu gehen. Beispiele dafür gibt es. Und es sind nicht immer nur die „Großen“ die aufgrund ihrer dicken Finanzdecke alles richtig machen, sondern auch die Kleinen, Schlanken, Pfiffigen. Statt dessen herrscht aber der meist erfolglose Marketinggrundsatz „Hoffnung“ (die ja bekanntlich zuletzt stirbt) und zu Not setzt man dann halt einen „nackigen Hasen“ auf ein Motorrad.
Wie duldsam heutzutage Biker in Österreich sind, beweist die Neuauflage der "Bike" in Linz. Zwischen kulinarischen Highlights, wie Leberkässemmel, Gulasch, Hascheeknödel, Wurstsalat und Krapfen, werden lieblos einige Zweiräder präsentiert. - Ein bissel interessant höchstens für "Straßenbiker", für Rennfreaks eigentlich völlig uninteressant und ernährungsphysiologisch sowieso. Trotzdem sind sie brav, die österreichischen Biker. Sie kommen, obwohl ihnen nichts geboten wird. Keine Innovationen, ein paar glanzlose Neuvorstellungen, das Highlight der Show (Ducati 1199 Panigale) einmal nackt, einmal bekleidet, ohne standesgemäße Inszenierung.
Irgendwie kommt die Motorradbranche nicht in die Gänge. - Mag sein, dass es an der Kälte liegt, oder an einem gerüttelt Maß an Borniertheit, die darauf aufbaut, dass Motorradfans mit allem zufrieden zu stellen sind, was man ihnen vorsetzt. Dabei kommt die Straßenfaktion noch ein bisschen besser weg als Rennstreckenfahrer. Für letztere herrscht große Dürre im Messeangebot. (Bezeichnend dafür: Der vielbeworbene und umjubelte Kawa Z750R Cup leidet an so krassem Anmelde-Mangel, dass sehr wahrscheinlich die Mindestteilnehmerzahl von 25 nicht erreicht werden wird.) Und wer dann noch ein bisschen auf seine Ernährung achtet, dem ist definitiv anzuraten, seine Maiswaffeln selbst mitzunehmen, um nicht in einem Meer an gesättigten Fettsäuren zu ertrinken. Das Motto der Gastronomie scheint zu sein, dass für Motorradfahrer alles deftig sein muss, damit die Mopetten beim Aufsitzen fest in die Knie geht.
Gastautor: Hannes Strohmeier(Mister Ergometer)











































