racing is not a mechanical exercise - it is not a sport - it is a religion

erstellt am: 04.04.2016 um 20:42

Dovizioso spielt den sterbenden Schwan und Iannone fasst einen Strafpunkt und die Rückversetzung um drei Startplätze beim nächsten Rennen aus.

Das GP-Rennen in Argentinien war nicht nur wegen des Reifenchaos von Michelin eine Farce, sondern auch wegen der Entscheidung der Rennleitung, Iannone nach seinem Crash mit Dovizioso einen Strafpunkt und eine Rückversetzung um drei Startplätze beim Rennen in Austin aufzubrummen.

Die selbsternannten Hilfssheriffs in Form von Rennsportinteressierten und auch ein überwiegender Teil der Ducati Fans beklatschten die unverständliche Entscheidung der Rennleitung. Leider wird dieses Urteil entsprechende Folgen auf der Strecke haben, indem immer dann, wenn eine gesunde 50:50 Überholmöglichkeit ansteht, die Fahrer einen Rückzieher machen werden, um sich ja keine unnötige Strafe der Rennleitung einzufangen. Die GP-Fans sowie die GP-Presse sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Noch vor zwei Jahren hätte sich niemand ernsthaft über eine misslungene Aktion, wie sie Iannone gezeigt hat, aufgeregt, sondern es wäre unter "race accident" abgehakt worden.

Es war ein legitimer Überholversuch von Iannone, der genauso hätte gut gehen können. Hätte es funktioniert, wäre er der große Held gewesen, aktuell ist er zum wiederholten Mal das Feindbild. Wenn schon die Fans und Beobachter ihre Abneigung gegen Iannone nicht unterdrücken wollen oder können, sollte wenigstens die Rennleitung die Aktion fair abhandeln. Wäre es wirklich fair abgelaufen, hätten sich die überflüssigen Punkterichter der Dorna überhaupt nicht einbringen dürfen, sondern den Ausrutscher von Iannone als das eingestuft was es war, ein typischer Rennunfall, der vor allem unter solchen Bedingungen nichts Besonderes ist. Zum Nachdenken sollten sich die Iannone Hetzer mal vor Augen führen, dass ein Großteil aller Spitzenfahrer schon gleiche oder ähnliche Unfälle produzierten, wie es Iannone jetzt passiert ist.

Die vorschriftengeilen Deutschsprachigen schießen wieder einmal den Vogel ab. Nirgendwo anders wird schlimmer gegen Iannone gehetzt als im deutschsprachigen Raum. Schon damals, als Iannone versuchte in der MotoGP Klasse Fuß zu fassen, war die deutschsprachige Presse die größte Hetzergemeinde gegen Iannone, indem sie sich mokierten, er sei "nicht massenkompatibel". Wirklich nicht "massenkompatibel" sind die Schreibtischtäter, die ihre Chance wieder einmal wahrnehmen Iannone in Grund und Boden zu schreiben.

Damit das alles so funktionierte und Iannone seine Strafe ausfasste, lieferte sein lieber Teamkollege Dovizioso eine schauspielerische Glanzleistung ab, indem er seine angeschlagene Ducati über die Ziellinie schob und der schreibenden Horde eine perfekte Kulisse bot, um sich als sterbender Schwan zu verkaufen. Dovizioso zeigte, dass es viele Wege gibt zu gewinnen, wenn es schon über den Speed nicht zu machen ist. Dovi ist kein Kind von Traurigkeit, wenn es darum geht fahrerisch auszuteilen, auch er reitet immer wieder harte bis sehr harte Manöver. Wird er aber selbst Opfer eines solchen, wird sofort die Mitleidsmasche ausgepackt. Mit solchen Aktionen, wie sie die Dorna auch diesmal wieder zeigte, reiht sich das Verhalten nahtlos in die Geschehnisse der letzten Saison ein. Immer mehr wird die MotoGP zu einem willkürlichen Schaulaufen für Hersteller und Sponsoren, bei dem die Fahrer und vor allem die motorsportlichen Belange eine immer kleinere Rolle spielen.

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