racing is not a mechanical exercise - it is not a sport - it is a religion

erstellt am: 17.07.2016 um 18:06

Sachsenring MotoGP - an Wahrheit kaum zu überbieten

Was für ein Rennen, an Dramatik kaum zu überbieten. Bei genauerem Hinsehen sind bereits die letzten beiden Rennen (Assen und Sachsenring) an Wahrheit kaum zu überbieten.

Neben einem interessanten Rennen, das durchaus fantauglich ist, gibt es Wichtigeres zu beobachten - die sichtbar gewordene Katastrophe der MotoGP Klasse. Die sogenannten Hinterbänkler, die durch technische Unterlegenheit kaum eine Chance bekommen zu zeigen was sie können, fahren den etablierten Stars massiv um die Ohren. In einem Ausmaß, wie es vor einigen Jahren noch kaum bis gar nicht möglich gewesen wäre. Die Witterungsbedingungen spielen natürlich eine entscheidende Rolle, trotzdem kann es unter trockenen Bedingungen nicht sein, dass Fahrer, die sich für gewöhnlich um die Plätze 12 und aufwärts prügeln, zunehmend vorne zu finden sind.

Während es erfrischend ist, einmal andere Fahrer vorne zu sehen, zeigt es in einem verheerenden Ausmaß, wie degeneriert die MotoGP Klasse mittlerweile ist. Wenn in Assen ein Lorenzo, der durch den Rennabbruch und den folgenden Restart, auf eine Sprintdistanz verkürztes restliches Rennen als Zehnter, mit einem Rückstand von 27,6 Sekunden, einläuft, stimmt einiges nicht. Es zeigt uns aber nicht, wie stark die anderen Fahrer waren, sondern wie technisch degeneriert die heutige GP-Fahrerelite funktioniert. Das gleiche war diesmal am Sachsenring zu beobachten. Lorenzo, der bereits in den Trainings strauchelte, ging bei den wechselnden Bedingungen im Rennen total unter und kam als Fünfzehnter mit einer knappen Runde Rückstand (+1'17.694) ins Ziel.

Es ist ja nicht nur Lorenzo der strauchelt, obwohl er das sichtbarste Beispiel ist. Wie kann es sein, dass ein Hector Barbera in der Quali am Sachsenring vor einem Rossi auf dem 2.Platz steht oder ein Petrucci auf Platz 4 und ein Lorenzo mit knapp einer Sekunde Rückstand auf Platz 11?

Natürlich ist es eine feine Sache für die Zuseher, wenn die Performance der vermeintlich weniger guten Fahrer steigt, oder ist es eventuell anders herum und die gehypten Topfahrer sind möglicherweise gar nicht so gut, wie sie dem Publikum immer verkauft werden. Ich hätte nie gedacht, dass ich dies einmal schreiben werde, aber Michelin sorgt wenigstens teilweise für etwas Ausgeglichenheit. Wohl ungewollt, indem sie die erwartete Perfektion, die von den Spitzenteams gefordert ist, nicht abliefern. Dieses Fehlen des konstant hohen Levels der Reifen gewährt uns einen erschütternden Einblick in eine Rennklasse, die viele für nicht möglich gehalten hätten. Eine Rennserie, die von Toppiloten besetzt ist, die diese Bezeichnung nicht verdienen. Fahrer, die nur mehr wirklich schnell sein können, wenn die arbeitende Elektronikarmada im Hintergrund das Einsatzgerät auf einen nahezu perfekten Level hinstellt, einen technisch elektronischen Level, den nur Fahrer aus den Top Teams der MotoGP kennen. Finden diese Fahrer den 99% Perfektionslevel nicht vor, sind sie fahrerisch hilflos.

Es zeigt plakativ, dass die MotoGP Klasse zu einem Schaulaufen der Hersteller verkommen ist, wo technische/elektronische Performance vor allem anderen geht. Sind diese idealen Voraussetzungen bei einigen Rennen nicht vorhanden, zeigt sich das volle Ausmaß der Augenauswischerei. PR-technisch hochgelobte Fahrer werden im direkten Vergleich von Piloten, die sonst als Lückenfüller empfunden werden, auf schockierende Weise entzaubert. Da macht es wenig Unterschied, welche Spitzenfahrer wir als Vergleich heranziehen, auch wenn Lorenzo derjenige zu sein scheint, der von allen mit dem wenigsten Talent ausgestattet ist

Die nüchterne Erkenntnis daraus ist, dass die GP Klasse ein degenerierter Zirkus ist, bei dem fahrerische Performance im Normalfall eine untergeordnete Rolle spielt. Deshalb ist die Forderung „back to the roots“ dringlicher als je zuvor.

Weg mit dem ganzen technischen Firlefanz, der den Rennsport zu einem billigen Theaterstück verkommen lässt, weg mit der Armada an Elektronikprofis, weg mit den ganzen zusätzlichen Helferleins jeglicher Art, zurück zu echtem Rennsport. Einem Rennsport, bei dem für unbeholfene Fahrer wie Lorenzo und CO einfach kein Platz mehr wäre. Die ganze Macht der Hersteller beruht nur auf den technischen, unnötigen Spielereien, die zum fahrerischen Ungleichgewicht führen und den Rennsport bis zur Perversion verunstalten.

Die Lösung wäre so einfach, 1 Liter Hubraum, Eigenbaurahmen, wie in der Moto2, eine Leistungsbegrenzung auf maximal 230PS, dafür aber keinerlei elektronische Unterstützung, kein Auslesen von Geometriedaten, keine kurvenselektive Zylinderabstimmung, nichts von all dem Unfug. Einfach Motorradrennsport, ganz so wie früher.

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